Viel mehr Kunst als nur ein Handwerk: Ikat- und Chenille-Webverfahren

//Viel mehr Kunst als nur ein Handwerk: Ikat- und Chenille-Webverfahren
Produktionsausschnitt der Ernst Feiler GmbH zum Thema Chenille- und IKAT-Webverfahren

Das Weben ist neben Holz- und Steinarbeiten eines der ältesten Verfahren zur Textilherstellung. Viele können sich möglicherweise noch daran erinnern, wie die eigenen Großeltern oder Urgroßeltern früher am Webstuhl saßen. Das Geschirr hebt und senkt sich laut klappernd, das sogenannte Schiffchen schießt mit der Wolle durch das Fach. Der neue Faden wird an das Gewebe herangeschoben, und dieses Verfahren so lange wiederholt, bis ein fertiges Textil entstanden ist. Doch es gibt weitere Webverfahren, die zu unterschiedlichen Gewebeergebnissen führen, beispielsweise das Ikatten und das Chenille-Webverfahren.

Mit Ikat zum Unikat

Unter Ikat versteht man oberflächlich betrachtet Inkamuster, Ornamente oder auch einfach die Textildesigns anderer Länder. Doch nichts von dem ist die ganze Wahrheit. Ein Ikat kann zwar gleichermaßen indianisches Aztkekenmuster und Ornament aus Matchu-Picchu sein, doch sind im Grunde Garn und Webverfahren das, was einen echten Ikat ausmacht. Aus dem Indonesischen übersetzt bedeutet Ikat „bündeln“ oder „abbinden“. Sein charakteristisches Merkmal ist die optische Verwirrung. Denn die Muster machen den Anschein zu verschwimmen. Dieser Effekt ist hauptsächlich aus der Batik bekannt. Doch ist der Ikat nicht auf bestimmte Muster begrenzt. Er kann einfarbig bis bunt sein und ein Rautenmuster bis hin zum Ornament darstellen.

Der Ikat wird über ein Zwei-Phasen-Webverfahren hergestellt:

  1. Partielles Färben des Webgarns
    Für die Vorbereitungen des Färbeprozesses wird das Garn exakt abgemessen und auf eine Trommel gewickelt. Anschließend sollte es an den bedachten Stellen straff abgebunden werden, um diese Fasern vor der Farbe zu schützen. Das kann solange wiederholt werden, bis ein hoch komplexes, mehrfarbiges Muster entstanden ist. Deutlich unkomplizierter zeigt sich die Färbevariante 2, bei der die Farbe lediglich mit einem Pinsel auf das gespannte Garn aufgetragen wird.
  2. Verweben der Fäden
    In Schritt 2 des Ikattens wird das gefärbte Garn verwebt. Je nachdem ob horizontal, vertikal oder sowohl als auch, entscheidet sich, ob es sich um ein Kettikat, Schussikat oder Doppelikat handelt.
  • Kettikat: das gefärbte Garn (Kettfaden) ist ausschließlich vertikal verwebt
  • Schussikat oder Eintragsikat: horizontal eingewebte Fäden (Schussfäden)
  • Doppelikat: Garn wird vor dem Weben horizontal und vertikal eingefärbt

Anschließend ist Präzision gefragt, damit sich ein logisches und deutlich sichtbares Muster ergibt. Trifft der Kettfaden an der richtigen Stelle auf den Schussfaden, war die Vorarbeit äußerst genau und das Bild ist stimmig. Wenn das Muster den Eindruck macht zu verschwimmen, dann sind die Fäden nicht exakt, sondern minimal versetzt eingewebt worden oder aber die Fasern haben die Farbe trotz des Abbindens aufgesaugt.

Chenille für den luxuriösen Moment

Wie beim Ikat ermöglicht auch das Chenille-Webverfahren eine beidseitige Musterung. Das bedeutet, dass das entstandene Gewebe keine Abseite hat und das Dessin auf beiden Seiten des Textils gleich zu sehen ist.

Jedoch teilt sich das Chenille-Webverfahren in zwei Webprozesse:

  1. Garn-‚DNA’ festlegen
    Zunächst wird der raupenförmige Schussfaden aus einem Vorgewebe hergestellt. In diesem ersten Webprozess erhält das spätere Chenille-Garn sozusagen die ‚DNA’, wie die Farbe etc. eingewebt.
  2. Muster entsteht
    Im zweiten Schritt setzt sich aus der Garn-‚DNA’ das gewünschte Muster zusammen.

Auf diese Weise können aus bis zu 18 Farben sehr komplexe Dessins gewebt werden. Wie auch der Ikat war das Chenille-Webverfahren früher ein sehr mühevolles Verfahren. Die vielfarbig gemusterten Stoffe aus Chenille oder Frottier mit Chenillebordüre sind seit Firmengründung die Spezialität der Ernst Feiler GmbH, stets weiterentwickelt, technisch perfektioniert und modernisiert.

2018-08-24T11:19:31+00:00Juli 7th, 2017|Feiler / Produktwelt|0 Comments

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